23. Oktober 2018 – Design

Hautnah

Die Filmkostüme von Barbara Baum ab heute im Deutschen Filminstitut in Frankfurt/Main

QUERELLE. Brad Davis. © Deutsches Filminstitut & Filmmuseum / Archiv Barbara Baum / Fotografin: Barbara Baum. Dauerleihgabe der Adolf und Luisa Haeuser- Stiftung für Kunst und Kulturpflege
LILI MARLEEN. Hanna Schygulla. © Deutsches Filminstitut & Filmmuseum / Archiv Barbara Baum / Fotografin: Barbara Baum. Dauerleihgabe der Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege

Das Kostümbild ist ein grundlegendes Gestaltungsmittel filmischer Welten. Es hilft dem Publikum, Räume und Zeiten einzuordnen. Es macht Wesenszüge von Charakteren sichtbar, zeigt ihren sozialen Status und innere Befindlichkeiten und erzeugt dadurch identifikatorische Nähe. Die Darsteller/innen unterstützt das Kostüm dabei, sich in die Figuren, die sie verkörpern, hineinzuversetzen. Der Kostümstoff materialisiert Werte- und Wunschvorstellungen der Figuren: mal schützend und stärkend, mal fantastisch und überzeichnet, mal verbergend, (ver-)kleidend oder gar entblößend. Die oft auch historischen Stoffe bilden nicht nur einen visuellen Akzent innerhalb der Bildkomposition, sondern sorgen für Authentizität.

Barbara Baum ist eine der renommiertesten Kostümbildnerinnen Deutschlands. Sie hat ein besonderes Gespür für Stoffe, die nicht nur Arbeitsmaterial, sondern auch Inspirationsquelle sind. Sie entwirft seit fast 50 Jahren Kostüme für internationale und nationale Produktionen. Besonders eng arbeitete sie mit Rainer Werner Fassbinder zusammen, unter anderem für DIE EHE DER MARIA BRAUN (DE 1978), LILI MARLEEN (DE 1980), LOLA (DE 1981) und QUERELLE (DE 1982). Ihr besonderes Gespür für historische Stoffe setzte sie auch in mehrteiligen, opulent ausgestatteten TV-Filmen wie KATHARINA DIE GROSSE (DE/US 1994–96) oder BUDDENBROOKS (DE 2007/08) um. In ihrem langjährigen Schaffen kleidete Barbara Baum unter anderem Schauspielgrößen wie Meryl Streep, Catherine Zeta-Jones, Jeanne Moreau oder Burt Lancaster ein. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche nationale und internationale Preise, zuletzt 2015 die „Ehren-Lola“ beim Deutschen Filmpreis.

Im Zentrum des Ausstellungsraums steht ein Ateliertisch. Hier spricht Barbara Baum über ihre Profession. Materialien aus ihrem Arbeitsarchiv wie Kostümauszüge, Kostümlisten und vieles mehr zeugen von der ersten, intensiven Auseinandersetzung mit den Drehbüchern. Aus diesem Material erwachsen konkrete Ideen, die ins Stoffliche übersetzt und schließlich ins Filmbild integriert werden. Budgetpläne, Rechnungen, Tagesdispositionen und Einkaufslisten sind Belege für die organisatorischen Anforderungen des Berufs. Besprechungsprotokolle, Korrespondenzen, Anproben- und Anschlussfotos zeigen die Einbettung des Kostümbildes in die anderen filmischen Gewerke.

Über 50 originale Filmkostüme, Ergebnisse künstlerischen Einfallsreichtums, der Schneiderkunst und nicht zuletzt kalkulatorischer und organisatorischer Planungen, sind um den Atelierraum aufgestellt. Außerhalb des filmischen Raums zeigen die Zeugnisse textiler Inszenierungskunst hier ihre eigenständige Präsenz. Die statische Präsentation erlaubt eine intensive Auseinandersetzung mit den Kostümen, die im musealen Raum zu dreidimensionalen Exponaten werden. Ihre Materialität ist benannt: Crêpe, Brokat, Duchesse, Gold- und Silberlamé, Musselin, Organdy, Samt, Satin, Seide, Spitze, Taft, Tüll, Tweed, Wolle. Stoffe, die das stete Streben von Barbara Baum nach höchster Qualität und dem „richtigen“ Material belegen. Da die Originalkostüme aus konservatorischen Gründen nicht berührt werden dürfen, ist ein Bereich eingerichtet, in dem 50 Muster solch hochwertiger Textilien angefasst und erspürt werden können.

Blick aus dem Atelier-Bereich auf Kostüme aus DAS GEISTERHAUS (BRD/DK/PT/US 1993, R: Bille August). Quelle: Deutsches Filminstitut & Filmmuseum / Bild: Thomas Lemnitzer

Aufmacherfoto: Catherine Zeta-Jones am Set von KATHARINA DIE GROSSE (DE/US 1994-96, R: Marvin J. Chomsky). Deutsches Filminstitut & Filmmuseum / Archiv Barbara Baum. Foto: Barbara Baum. Dauerleihgabe der Adolf und Luisa-Haeuser Stiftung für Kunst und Kulturpflege. Im Slider: LILI MARLEEN. Figurine für das Silberlamé-Auftrittskleid von Hanna Schygulla. © Deutsches Filminstitut & Filmmuseum / Archiv Barbara Baum / Entwurf: Barbara Baum. Dauerleihgabe der Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege; BERLIN ALEXANDERPLATZ. Figurine für ein leichtes weißes Kleid für Barbara Sukowa. © Deutsches Filminstitut & Filmmuseum / Archiv Barbara Baum / Entwurf: Barbara Baum. Dauerleihgabe der Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege; LOLA. Figurine für ein Sommerkleid von Barbara Sukowa. © Deutsches Filminstitut & Filmmuseum / Archiv Barbara Baum / Entwurf: Barbara Baum. Dauerleihgabe der Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege.
Die Ausstellung findet bis zum 10.März 2019 statt
Öffnungszeiten und weitere Informationen zu begleitenden Veranstalungen unter deutsches-filmmuseum.de