27. Mai 2019 – Art

Galerie Alber

Auf zwei Etagen mit insgesamt 140 Quadratmetern trifft in der Kölner Altstadt coole Kunst auf jahrtausende alte Stadtmauern. Am Römerturm 15 befindet sich die Galerie Alber

Marco Alber präsentiert in sechs wechselnden Gruppen- und Einzel-Ausstellungen pro Jahr Künstler*innen, die in den Medien Malerei, Skulptur und Installation arbeiten. Foto: Rike Lenz

Die GALERIE ALBER hat mit dem Start im November 2018 Köln um einen attraktiven Ausstellungsort in der Altstadt Nord bereichert. Jetzt mit der dritten Ausstellung, beweist Marco Alber, 31, ein weiteres Mal sein klares und ebenso spannendes Ausstellungs-Konzept und zeigt abstrakte Positionen in Malerei und Skulpturalem von ebenso jungen Künstlern wie er selbst. Bei dem Galeristen aus Leidenschaft – „Ich werde niemals reiner Kunsthändler sein“ – wird alles zu einer Frage des (guten) Stils. Ob es das Kuratieren selbst ist, die Kooperation mit Künstlern auf Augenhöhe, wie er offen mit Kunstinteressierten kommuniziert, sogar bis hin zum eigenen japanisch-minimalistischen Kleidungsstil – dahinter steht ein Überzeugungstäter in Sachen Ästhetik und vor Ethik, die seine Lebens-Art und seine mit Bedacht gewählten, konzeptionellen Entscheidungen prägen.

In „#1026 – Jorinde Fischer und Christian August“ treffen in der Galerei seit Mitte Mai zwei künstlerische Positionen aufeinander, die – zumindest auf den ersten Blick – sehr unterschiedlich erscheinen: die konzeptuell ausgerichtete Künstlerin Jorinde Fischer (*1990) und der Maler Christian August (*1977), der ursprünglich der Graffiti-Szene der 90er entstammt. Auch mit dieser Doppelausstellung, die den Titel #1026 trägt, veranschaulicht Marco Alber wodurch sich das klare Programm seiner neuen Galerie auszeichnet: Der Galerist führt gezielt frische, abstrakte Positionen zusammen und erweitert durch die Gegenüberstellung der Kunstwerke ihre jeweilige Wahrnehmung und auch die seiner Ausstellungsräume.

Die Intensität der Farbe ist das offensichtlichste verbindende Element der Kunst von Jorinde Fischer und Christian August. Obgleich völlig unterschiedlich eingesetzt, kann sich der Betrachter ihrer Wirkung kaum entziehen. Die farbigen, installativen Werke aus elastischen Stoffen von Jorinde Fischer (Meisterschülerin von Prof. John Bock) übernehmen spielerisch den Raum – mal straff gedehnt, mal locker herabhängend. Der Raum wird so Teil des Kunstwerks und das Material in unterschiedlichen physischen Zuständen drückt eine Körperlichkeit aus, die auch auf den Betrachter wirkt.
In den großformatigen Leinwänden von Christian August wiederholen sich strahlend blaue Bildflächen, die sich deutlich vom restlichen Geschehen auf der Leinwand – in Grau-, Weiß- und Schwarz-Tönen – absetzen. Diese starken, flächigen Abgrenzungen erzeugen eine unbegrenzt erscheinende Tiefe der Bilder und es entsteht ein geradezu hypnotisierender Sog in die Tiefe des Blaus. Die dahinter gelegene Wand scheint zu durchbrechen, der Einblick in die Endlosigkeit der Farbsphäre weitet sich aus und ein neuer Raum entsteht.

Joprinde Fischer:FlexibleStuff,2017,Lycra,Isolierschlauch,Bleiband,Holz,320x 410 x 370 cm, Courtesy Galerie Alber
Jorinde Fischer: Zwei mit Band, 2017, Metall, Lycra, 150 x 70 x 5 cm, Courtesy GALERIE ALBER
Christian August: Soft Nap, 90 x 110 cm, Courtesy GALERIE ALBER
Christian August: White Tinnitus, 90x110cm, Courtesy GALERIE ALBER

Aufmacherfoto: Mareike Trocha

#1026 – Jorinde Fischer und Christian August – noch bis 5.Juli 2019

GALERIE ALBER, am Römerturm 15, 50667 Köln