2. Januar 2018 – Style

Madame d’Ora. Machen Sie mich schön!

In einer umfassenden Retrospektive gibt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe erstmals einen Überblick über das Schaffen der Fotografin Madame d'Ora (1881 - 1963). Sehenswert!

Madame d‘Ora, Dolly Sisters, um 1928, Silbergelatineabzug, 17 x 19,7 cm © Nachlass d’Ora/Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Madame d‘Ora, Madame Faure in einem Kostüm von Pierre Balmain, 1953, Silbergelatineabzug, 23,5 x 21 cm, © Nachlass d’Ora/Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Madame d’Ora, Die Operettendiva Fritzi Massary, 1923, Silbergelatineabzug, 30,2 x 23,4 cm, © Nachlass d’Ora/Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Wer sich von Madame d‘Ora (1881-1963) porträtieren lässt, verleiht seiner Person einen Hauch französischer Eleganz. D‘Ora fotografiert Schriftsteller wie Arthur Schnitzler, den Komponisten Alban Berg und den Kulturkritiker Hermann Bahr. Es entstehen Porträts der Schwestern Wiesenthal, der skandalumwitterten Nackttänzerin Anita Berber, des Operettenstars Fritzy Massary sowie von Josephine Baker, Anna Pawlowa und Coco Chanel. Von 1910 bis in die 1950er Jahre ist Madame d’Ora die Porträtistin der Wiener und Pariser Gesellschaft und der Künstlerbohème. Ihre Ateliers sucht man auf, um ästhetisch anspruchsvolle und reizvolle Selbstbildnisse entgegenzunehmen, die einen zeitgemäßen Look ausstrahlen und den Anspruch auf einen Platz in der Welt der schönen, gebildeten und berühmten Menschen unterstreichen. Gleichzeitig fotografiert Madame d’Ora auch Mode u.a. für die Wiener Werkstätten. In den 1920er Jahren platziert die geschäftstüchtige Fotografin ihre Aufnahmen in der sich rasant entwickelnden illustrierten Presse und liefert Vorlagen für neue, gehobene Lifestyle-Magazine wie Die Dame des Ullstein Verlags, Madame oder Officiel de la Cuture et de la Mode. Der zweite Weltkrieg setzt eine radikale Zäsur. Als Jüdin flieht d’Ora 1940 in die Ardèche und gelangt 1945 nach Österreich, wo sie 1945/1946 bei Wien das Schicksal der Flüchtlinge dokumentiert. Hier betätigt sie sich erstmals als Sozialreporterin. 1950 und 1958 schafft sie zwei bis heute verstörende Serien über Schlachthöfe, die als künstlerische Reaktion auf die Gräuel des Krieges verstanden werden können.

Madame d’Ora, Modehaus Zwieback, 1913, Silbergelatineabzug, 22,8 x 30 cm, © Nachlass d’Ora/Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Aufmacher-Foto: Madame d‘Ora, Josephine Baker, 1928, Silbergelatineabzug, 19,4 x 16 cm, © Nachlass d’Ora/Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Die Ausstellung ist noch bis 20.März zu sehen.

mgk-hamburg.de