13. September 2017 – Art, Design

Ein Versprechen: der Louvre Abu Dhabi

„Der Louvre Abu Dhabi verkörpert unsere Überzeugung, dass die Länder der Welt durch Diversität und gegenseitige Akzeptanz florieren." S.E. Mohamed Khalifa Al Mubarak, Chairman der Abu Dhabi Tourism & Culture Authority

Unter dem 180 Meter breiten Kuppeldach, das aus nahezu 8.000 einzigartigen Metallsternen in einem komplexen geometrischen Muster besteht, können Besucher durch die Promenadengänge mit Blick auf das Meer wandeln

"Es ist eine Architektur, die ihre Schätze schützt, es ist eine Hommage an die arabische Stadt, an ihre Poesie in Geometrie und Licht, und unter der großen Kuppel ist es eine Beschwörung der Zeitlichkeiten, die unerbittlich die Stunden, Tage, und das Vergehen unseres Lebens unterstreicht." Jean Nouvel.

Das einfallende Sonnenlicht erzeugt einen faszinierenden „Lichtregen“ unter der Kuppel, der an die ineinander verschränkten Palmblätter in den arabischen Oasen erinnert.

Im Herzen von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), entstand eine Museumsstadt (angelehnt an die arabische „Medina“), die vom Träger des Pritzker Architekturpreises Jean Nouvel entworfen wurde und unter einer silbernen Kuppel ruht.
Ausgestellt wird die beachtliche Kunstsammlung des Museums, die aus zahlreichen Kunstwerken, Artefakten und Leihgaben führender französischer Museen besteht. Sie umfasst die gesamte menschliche Geschichte, von prähistorischen Objekten bis hin zu modernen, speziell für das Museum angefertigten Werken. Der Louvre Abu Dhabi hebt universelle Themen und Einflüsse hervor. Damit weicht er von der traditionellen Museumsgestaltung ab, bei der die Ausstellungsstücke zumeist nach ihrer Herkunft unterteilt werden.
Die Geschichte des Museums beginnt im „Großen Vorraum“, wo den Besuchern das Konzept des Louvre Abu Dhabi vorgestellt wird. Dazu werden wichtige Themen wie zum Beispiel Mutterschaft oder Begräbnisrituale hervorgehoben. Der Dialog zwischen Kunstwerken aus verschiedenen geographischen Regionen, die zuweilen weit voneinander entfernt sind, zeigt trotz der unterschiedlichen Ausprägungen bestehende Gemeinsamkeiten zwischen ethischen Leitprinzipien auf. Verschiedene Kunstwerke sind in den Galerien und Szenen ausgestellt, die in 12 Kapitel unterteilt und sowohl chronologisch als auch thematisch angeordnet wurden. Diese reichen von ersten bildlichen Kunstdarstellungen in Form einer „Baktrischen Prinzessin“, die gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. in Zentralasien entstand, über Werke aus dem Zeitalter der ersten großen Imperien, veranschaulicht durch die Begräbnisrituale des alten Ägyptens anhand des liegenden Sarkophags von Prinzessin Hennutawi, bis hin zur Entstehung der neuen Weltwirtschaften, dargestellt durch eine „Dekadrachme“ aus Syrakus, die vom Künstler Euainetos signiert wurde.

Nachfolgend werden in einem Raum, der den universellen Religionen gewidmet ist, heilige Schriften ausgestellt, darunter eine „Seite aus dem Blauen Koran“, eine gothische Bibel, ein Pentateuch sowie Texte über den Buddismus und Taoismus. Der künstlerische Austausch auf den Handelswegen im Mittelalter und in der Moderne wird durch zahlreiche bedeutsame Keramikwerke veranschaulicht. Anhand der Handelsrouten zwischen Asien und dem Mittelmeer und nachfolgend zwischen Europa und Amerika können Besucher bewundern, wie sich der Horizont des Menschen durch Wissenschaft und andere Einflüsse allmählich erweiterte. Eine Reihe an Leinwandbildern aus Namban zeigt den Dialog zwischen Fernost und Europa. Die Ausstellung stellt bildliche Darstellungen von Prinzen aus der gesamten Welt zur Schau, veranschaulicht durch einen bedeutenden osmanischen Streithelm in Form eines Turbans. Anhand einer außergewöhnlichen Kommode von Bernard II Van Risenburgh (BVRB, 1696 – 1766), die mit rotem Chinalack überzogen ist und in Frankreich entstand, gewährt das Museum einen intimeren Einblick in die neue Kunst des Lebens. Angekommen in der modernen Epoche können Besucher Édouard Manets (1832 – 1883) „Die Zigeuner“, Paul Gauguins (1848 – 1903) „Junge Ringkämpfer“ sowie Piet Mondrians (1872 – 1944) „Komposition mit Blau, Rot, Gelb und Schwarz“ entdecken. Die Ausstellung endet mit einem monumentalen Werk des Künstlers Ai Weiwei (1957) und der Hinterfragung des Konzepts der Globalisierung.

Diverse speziell für die Außenbereiche des Louvre Abu Dhabi angefertigte Kunstwerke von renommierten zeitgenössischen Künstlern stehen im perfekten Einklang mit dem Geist des Museums und dessen architektonischer Substanz. Die US-amerikanische Künstlerin Jenny Holzer (1950) kreierte drei mit Gravouren versehene Steinwände mit dem Titel „For Louvre Abu Dhabi“. Auf den Mauern befinden sich Auszüge aus der „Muqaddima“ von Ibn Khaldun, aus der zweisprachigen mesopotamischen „Schöpfungstafel“ (akkadisch/sumerisch) sowie aus der kommentierten Ausgabe der „Les Essais“ von Michel de Montaigne von 1588.

Der italienische Künstler Giuseppe Penone (1947) hat diverse Auftragsarbeiten speziell für den Louvre Abu Dhabi angefertigt. Das Werk „Leaves of Light“ ist ein ausladender Bronzebaum, in dessen Ästen Spiegel angebracht sind, um den „Lichtregen“ zu reflektieren. „Propagation“ ist eine Wand aus Porzellanfliesen, die handgezeichnete konzentrische Kreise darstellt. Die Linien des Bildes basieren auf dem Fingerabdruck von Scheich Zayed, dem Gründervater der VAE. Produziert wurde das Werk in Zusammenarbeit mit den Produktionswerkstätten der „Sèvres – Cité de la Céramique“ in Frankreich.

Fotos: Mohamed Somji

Der Louvre Abu Dhabi öffnet am 11.November 2017 seine Türen für Besucher